Chronik Heimkirchen

Heimkirchen

z.T aus der Ortschronik von Karl Bäcker

Wappen

In Rot der golden gepanzerte St. Georg auf weißem Ross, mit goldener Lanze einen grünen Drachen durchbohrend. In der oberen linken Ecke des Wappenschildes ein kleiner schwarzer Schild mit 5 silbernen Kugeln. Heimkirchen führte seit 1680 ein Gerichtssiegel, das den St. Georg im Kampf mit dem Drachen zeigt. Der Siegelstempel, der lange vermißt war, fand sich erfreulicherweise im Historischen Museum zu Speyer wieder.

Lage

Heimkirchen liegt im Nordpfälzer Bergland östlich der Kernortes Niederkirchen, mit dem es baulich mittlerweile zusammengewachsen ist und ist überwiegend von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben. Durch den Ort beziehungsweise sein Einzugsgebiet fließen der Steinbach samt seinen Nebenflüssen Nedinger Bach, Holborner Bach und Bornbach. Zu Heimkirchen gehören zusätzlich die Wohnplätze Holbornerhof, Karlshöhe und Kreuzhof.

Geschichte

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zur Herrschaft Schallodenbach der Sickinger. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Heimkirchen in den Kanton Otterberg eingegliedert. 1824 hatte der Ort insgesamt 324 Einwohner. Von 1818 bis 1862 war der Ort Bestandteil des Landkommissariat Kaiserslautern, das anschließend in ein Bezirksamt umgewandelt wurde.

1928 hatte Heimkirchen 466 Einwohner, die in 87 Wohngebäuden lebten. Die Protestanten besaßen seinerzeit eine Pfarrei vor Ort, während die Katholiken zu derjenigen von Schallodenbach gehörten. 1938 wurde der Ort in den Landkreis Kaiserslautern eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heimkirchen innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Heimkirchen am 7. Juni 1969 nach Niederkirchen eingemeindet, innerhalb derer es seither einen Ortsbezirk bildet.

Heinz Friedel, Kaiserslautern, ist der Ortsgeschichte (Heimatkalender Kaiserslautern, 1991) nachgegangen und hat bei seinen Nachforschungen festgestellt, daß die Gemeinde schon im Jahr 1207 urkundlich erwähnt wurde.

Um die erwähnte Zeit wohnte ein adeliger Herr namens Eberhard in Heimkirchen (1207 Heimenkirchen oder Hemmenkirchen, 1426 Heymenkirchen und 1828 Heimkirchen). Ihm müssen Güter gehört haben, woraus zu schließen ist, daß der Ort schon vor dieser Zeit bestand.

Ein Heimo (altdeutscher Rufname) muß der Gründer und Namensgeber gewesen sein. Heimkirchen gehörte wie Wörsbach zum Nahegau, der von fränkischen Gaugrafen verwaltet wurde. Als erster aus der Reihe dieser Grafen ist aus dem Jahre 960 ein Gaugraf „Emicho“ bekannt. Später nannten sich diese Grafen nach Ihren Burgen. Die Gemeinde mit ihrer Umgebung gehörte damals den Wildgrafen von Kyrburg.

Durch Heirat und Erbschaft erhielten die Sickinger später einen Teil dieser Grafschaft, so 1482 die Herrschaft Sein (die Großmutter Franz von Sicking-ens war eine Schonetta von Sein) und 1566 das Amt Schallodenbach, das Heimkirchen, Wörsbach und noch einige Orte und Höfe der nächsten Nachbarschaft umfaßte. Zuvor war Heimkirchen in den Händen des Henne von Lewenstein, genannt von Randecke (1426). Ein Pfarrer wird für das Jahr 1401 bezeugt. An die frühere Herrschaft erinnerte noch das in der Dorfmitte stehende „Zehnthaus“ (jetziges Wohnhaus von Herbert Buhl) mit der Inschrift Schneck, der um 1540 in Heimkirchen lebte.

 

Bereits im Jahre 1551 wird ein lutherischer Pfarrer namens Sartorius genannt (urspr. deutscher Name: Pfleger oder Schneider). Diesem folgte ein blinder Pfarrer, der sich den Text aus der Bibel vorlesen lassen mußte, und diesem wiederum um das Jahr 1600 ein Pfarrer namens Cornelius, bis 1665 der Pfarrer Johann Dech, bis 1674 der Pfarrer Konrad. Von 1674-1689 der Pfarrer Dörrhagen. Dieser war kein gewöhnlicher Mann, was seine sorgfältigen Beurkundungen verraten. Außerdem war er ein Anhänger der Astrologie. Ihm folgten von 1690-1698 Pfarrer Magister Michael Papp. Sein Nachfolger war Johann Peter Böhme, der von der andersgläubigen Sickingschen Herrschaft ersetzt wurde und für den „der mildgesinnte“ Pfarrer Johann Mathias Metz eingesetzt wurde (1701-1710). Dessen Nachfolger war Johannes Wendelin Schneider.

Besonders zu erwähnen ist der Name des Pfarrers Johann Heinrich Metzger (ein Elsässer 1747-1759), in dessen Amtszeit eine Kirche erbaut wurde. Die Pfarrkirche hatte den St. Georg als Schutzpatron. Sie blieb lutherisch, obwohl die Sickingsche Herrschaft das Simultaneum durchsetzen wollte. Laut Inschriften mußte im Jahre 1517 eine Kirche gebaut worden sein, die im Jahre 1757 abgebrochen und neu aufgebaut wurde. Das Gotteshaus brannte 1874 ab. Die heutige Kirche geht auf das Jahr 1877/78 zurück.

 

 

Im 17. Jahrhundert bildete Heimkirchen wohl ein eigenes Gericht, dessen Siegel aus dem Jahre 1680 den alten Ortspatron St. Georg zeigt.

Schon im 17. Jhrh. (1687) waren Lehrer in Heimkirchen eingesetzt; die Kinder bekamen also schon sehr früh Schulunterricht. Bekannt sind die Lehrer Johann Valentin Klein (1687), Philipp Leopold Ceasar (1703), August Christoph Eckard, ein Pfarrerssohn aus Trippstadt (1740), Johann Jakob Herberth (1714), Andreas Engel (1736-1758) und Wilhelm Schwinn (1759). Das Schultheißenamt hatten inne: Johann Wendel (1681), Johann Nikolaus Buhl (Holborn 1699), Hans Heinrich Zapp (Holborn 1698). Im Jahre 1831 wurde ein Schulhaus dem Schulbetrieb übergeben;

Die Gemeinde Heimkirchen ist bis in die heutige Zeit ein Haufendorf geblieben. Die Bauerhäuser sind meistens offene Hoflagen mit dem Giebel zur Straße. Nach dem 30-jährigen Krieg kamen Zuwanderer aus der Nordpfalz, aus Sien, aus der Schweiz und aus Belgien, die teils selbst wegen ihres Glaubens von anderen verfolgt wurden und hier eine neue Heimat fanden. So wurden in Holborn Wallonen ansässig. Im Jahre 1798 wurde Heimkirchen, Wörsbach und Morbach zur Mairie Niederkirchen vereinigt, später Bürgermeisterei – sie hatte Bestand bis zum Jahre 1969.                   

Zu erwähnen ist auch die Roßkastanie, ein Naturdenkmal bei der denkmalgeschüzten Holbornermühle (18. Jhrh.) mit Krüppelwalmdach, profiliertem Türstock und Türe im Empirestil, sowie die prot. Pfarrkirche (1878) im neugotischen Stil, aus gelblich glattbehauenem Sandstein, mit Spitzturm und steilem Kirchendach, beide schiefergedeckt.

Die Bevölkerung belief sich im Jahre 1743 auf 90, im Jahre 1888 auf 199, 1835 auf 407, 1900 auf 474, 1933 auf 473, 1950 auf 528, 1961 auf 466 und 1987 auf 368 Einwohner. Der rapide Rückgang der Bevölkerung von 1945 bis zum heutigen Zeitpunkt ist wohl in der Hauptsache auf den Wegzug von Vertrieben und Flüchtlingen zurückzuführen, die nach dem Krieg für kurze Zeit in Heimkirchen eine Bleibe fanden.

Holbornerhof

Älter als Heimkirchen ist der Holbornerhof. Über die Entstehung ist allerdings wenig bekannt. Vermutet wird, ohne dass sich das beweisen läßt, dass die Gründung des Hofes auf das Jahr 900 zurückgeht. Die mündlichen Überlieferungen sprechen von einem fränkischen Ritter, der die Hofstelle an einem hohlen Born (Brunnen) begründet haben soll. Der Hof gehörte in frühester Zeit, ebenfalls wie der Ort Heimkirchen, zu dem Nahegau. Zwischen 1760 und 1790 wanderten mehrer Familien aus Heimkirchen und dem Holbornerhof nach der Bukowina aus.

Kreuzhof

Sein Name geht wohl auf seine Lage an wichtigen Wegkreuzungen zurück, an denen in alter Zeit viele Kreuze standen.

Der Kreuzhof wurde 1551 der lutherischen Pfarrei Heimkirchen zugeordnet und gelangte 1566 mit Heimkirchen an Franz Conrad von Sickingen, also an die Herrschaft Schallodenbach. Die Bevölkerung war ähnlich der von Heimkirchen, wegen ihres Glaubens starken Bedrückungen ausgesetzt.

Karlshöhe

Die Karlshöhe, ein Einzelhof an der Römerstraße von Otterberg – Heiligenmoschel – Meisenheim, oberhalb der Gemeinde Heimkirchen, wurde nach vorliegenden Unterlagen um das Jahr 1803 errichtet. Als Vorläufer gilt das von dem Förster namens Leonhardt Carl bewohnte Forsthaus.